Erinnern für die Zukunft
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“
— Gunter Demnig, Initiator der Stolpersteine
Im Mai 2025 jährte sich die Befreiung des KZ-Systems Mauthausen-Gusen zum 80. Mal. Der Tag der Befreiung steht für das Ende der Verbrechen, die während der NS-Herrschaft begangen wurden. Doch laut der Direktorin der Gedenkstätte, Dr. Barbara Glück, ist das Gedenken nicht auf wenige Orte und Tage beschränkt, es ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess und Austausch. In diesem Sinne besuchten die 9. Klassen der Realschule im Rahmen des Projekttages am 24. Juli gemeinsam mit ihren Klassen- bzw. Geschichtslehrern die KZ-Gedenkstätte in Oberösterreich. Die Schüler befassten sich vor Ort intensiv mit der Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers. Besonders eindrucksvoll war dabei nach einer Filmvorführung der Rundgang durch das ehemalige Lagergelände, bei dem sie die bedrückenden Orte wie den Appellplatz, die Steinbruchstiege („Todesstiege“), die Baracken und den Raum der Namen besichtigten. Hier wurden die Namen von mehr als 84 000 Opfern dokumentiert. Durch die sachkundige, auf Bild- und Textquellen gestützte Führung erhielten die Schüler nicht nur historische Fakten, sondern auch Einblicke in die persönlichen Schicksale von Häftlingen. Im Sinne des multiperspektivischen Lernens wurde der Blick auch auf die Täter und die Bewohner des Umlandes gerichtet.
Im Vorfeld hatten sich die Jugendlichen gemäß dem Lehrplan mit den Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus beschäftigt. Der Besuch ergänzte den Fachunterricht, indem er theoretische Inhalte mit dem authentischen Ort und realen Schicksalen verknüpfte. Dies entspricht dem Bildungsziel, die Schülerinnen und Schüler zu einem reflektierten Geschichtsbewusstsein und zu einer werteorientierten Haltung zu erziehen. In einer anschließenden Reflexion zeigten sich viele der Jugendlichen tief bewegt. Einige äußerten den Wunsch, sich künftig stärker gegen Rassismus und Ausgrenzung zu engagieren. Der Besuch wurde somit nicht nur zu einem historischen Lernerlebnis, sondern auch zu einem Impuls für gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein. Die Exkursion nach Mauthausen war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie historisches Lernen über reines Faktenwissen hinausgehen kann – hin zu Empathie, Verantwortung und dem festen Willen, dass sich Geschichte nicht wiederholen darf.
Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: NEIN!” – Kurt Tucholsky

