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Von der Goethe-Ballade bis zum Spiel über die Zeit

Dreiflüsse-Realschule präsentiert den „Zauberlehrling”  und das moderne Kinderstück „Time out“ – Der mit Spannung erwartete Theaterabend der Dreiflüsse-Realschule, bei dem die Ergebnisse der Proben von Theaterklasse und Theatergruppe präsentiert wurden, begann beeindruckend mit der Greenscreen-Inszenierung des „Zauberlehrlings“ nach Motiven von J. W. von Goethe.Regisseurin Martina Raab setzte diese verblüffende Technik bereits mehrfach ein und entlockte damit den zahlreichen Zuschauern immer wieder überraschte „Ahs“ und „Ohs“. Die Darsteller wurden vor einem knallgrünen Hintergrund gefilmt; am Computer wurde durch Keying das Grün entfernt und durch digitale Kulissen ersetzt. Diesmal bildeten eine Alchimistenküche und eine Besenkammer die Hintergründe, in denen die 14 Spieler der 5. Jahrgangsstufe scheinbar wie von Zauberhand agierten.

Zaubermeister Advocatus (Ajan Januzi) ermahnt seinen Schüler Primus (Lucas Vilcu), während seiner Abwesenheit nichts anzustellen. Doch die vier Hexen – Windhexe (Matija Zovkic), Schlammhexe (Eltiona Sertolli), Eishexe (Franziska Hammerl) und Feuerhexe (Madeleine Kapfer) und die vier Gnome (Jonas Ahrens-Hallmann, Marlene Wiebe, Sonia Raza und Milica Zgonjanin)– treiben den Lehrling so lange an, bis er die Besen aus der Kammer befreit. Gerade hier liefert der Greenscreen-Effekt besonders verblüffende Szenen. Die Besen Putzblitz, Blitzblank, Wischweg und Tiptop (Jara Gashi, Yeva Zikanina, Enna Solo und Laura Miedl) schleppen unermüdlich Wasser herbei, bis es zur großen Überschwemmung kommt. Gemeinsam rappen sie „Walle, walle, manche Strecke“ – das einzige Originalzitat aus der Ballade. Der Zaubermeister begutachtet schließlich den Schaden und schenkt seinem Lehrling ein Zauberbuch, damit dieser künftig richtig zaubern lernt. Ende gut, alles gut.

Im zweiten Teil wurde es philosophisch: Das Kinderstück „Time out“ von Christina Kettering stand auf dem Programm. Schulleiterin Marion Katzbichler nutzte die Begrüßung, um über das Phänomen Zeit nachzudenken: „Wann ist man raus aus dem Spiel? Verpasst man etwas?“ Das Thema Zeit und das „Spiel um Geschwindigkeiten“ beginnt mit einer eindrücklichen Szene, in der Leonard Ortmeier sagt: „Ich bin da, ich warte.“ In einer heiteren Rückschau auf Erdzeitalter und Menschheitsgeschichte setzt er das Publikum in eine neue zeitliche Relation. Nach und nach treten vier weitere Wartende auf: Lucas Vilcu, der als Fünftklässler bereits einen abendfüllenden Auftritt hat und als Schnellbeweger einen enormen Marathon hinlegt; Leonard Brennecke, der mit ruhiger Gelassenheit nachdenkt und dabei manchmal seine Frage vergisst; Miriam Luciani, die im Schneckentempo wandlungsfähig ist; sowie Peter Popovics. Alle fünf sind gleich gekleidet und erinnern an Clowns. Als sparsame Requisiten dienen nur eine weiße Bank, eine große Uhr im Hintergrund und fünf weiße Scheiben, die die Zeit und ihr Vergehen symbolisieren – mal gedehnt wie ein altes, durchgekautes Kaugummi, dann wieder rasend schnell.

Nicht nur in einem kurzen Sprechkanon beweisen die fünf Darsteller verblüffende Präzision. Sie zeigen durchgehend eine enorme Körperspannung, halten lange Blicke in die Zuschauerreihen aus und fordern das Publikum gerade durch ihre Unbeweglichkeit heraus. Spielerisch und leicht verständlich thematisiert das Stück Zeit in ihren unterschiedlichen Geschwindigkeiten, den Wechsel von Tag und Nacht sowie die Sonne als Zeitgeber, sodass auch Kinder den Aussagen gut folgen können. Gleichzeitig werden Routinen im Familienalltag hinterfragt. Dank der exakten Regiearbeit von Martina Raab kommt dabei keine Sekunde Langeweile auf. Ein Schattentheater erzählt von „Generationen von Kindern im Verhältnis zu einem 300-jährigen Baum“: Der Kreislauf des Lebens erscheint immer wieder, bis schließlich alles vorübergeht. Auch hier wird das Warten als quälende Herausforderung behandelt.

Großen Beifall erhielt neben den herausragenden schauspielerischen Leistungen auch das Technikteam Hannes Hieke, Jannis Federholzner, Simon Klaiber, Philipp Hilger, Franz-Xaver Emmer und Michael Burkert — sowie das Unternehmen Burkert Licht und Ton als Sponsor. Schulleiterin Marion Katzbichler begrüßte zahlreiche Ehrengäste: den Zweiten Bürgermeister Andreas Dittlmann, Stadträtin Sissi Geyer, Gudrun Dachs von der Sparkasse Passau, Evi Huber und Gerhard Spitzenpfeil mit Gattin von der Leukämiestiftung, Daniela Holler-Hartmann von der Athanor Akademie, den Vorsitzenden des Fördervereins Michael Pilzer sowie Mandy Hieke vom Elternbeirat.

Gertrud Brunnbauer