Neues Land, neue Sprache und irgendwann neues Zuhause – Wie geht es eigentlich unserer Lisa Hägler, die wir letztes Jahr mit grandiosem Erfolg aus der Dreiflüsse-Realschule entlassen durften? Hier erzählt sie uns von ihrem bisherigen Auslandsaufenthalt mit einem Stipendium des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus als Botschafterin Bayerns in Frankreich!
Ein Auslandsjahr mit YFU
Zusage, Koffer packen, letztes Mal Freunde treffen, Familie umarmen, alle Erinnerungen zurücklassen und ab in ein neues Land – Frankreich. Ungefähr so schnell verging die Zeit zwischen meinem Bestätigungsbrief und meiner Fahrt nach Paris. Ein neues Kapitel begann, das sich größer anfühlte als alles davor. Mit der Bestätigung meiner Austauschorganisation Youth for understanding (YFU) stand fest: Ich würde zehn Monate in Frankreich leben. Zehn Monate voller neuer Erlebnisse, Herausforderungen und neuer Erfahrungen. Am 26. August war der Moment gekommen, in dem dieses „Irgendwann“ ein „Jetzt“ wurde und ich mit meinem Ticket am Bahnsteig stand.
Ich bin Lisa, 16 Jahre alt, und gehe gerade in die seconde (10. Klasse) in Frankreich. Eigentlich wäre ich in der 11. Klasse in Deutschland, allerdings muss ich „leider“ ein Jahr wiederholen. Was mir aber überhaupt nichts ausmacht, vor allem, um mit dem anspruchsvollen Niveau eines französischen Gymnasiums Schritt halten zu können. Am 30. August, gleich vier Tage später, stand dann das erste Treffen mit der Gastfamilie an. Ich erinnere mich noch ganz genau an die Aufregung, die Nervosität und an die vielen Fragen, die ich mir in diesem Moment innerlich gestellt habe. Wird meine Gastfamilie nett sein? Werde ich mich gut mit ihnen verstehen? Was ist, wenn nicht? Reicht mein Französisch überhaupt aus? All das füllte meinen Kopf und dann standen sie da: Fremde Menschen, die für fast ein Jahr mein Zuhause sein würden. Erst einmal unvorstellbar.
Auch wenn es anfangs schwer war, sich an einen neuen Alltag in einer neuen Familie zu gewöhnen, lohnt es sich schließlich doch zu 100%. Die ersten Wochen waren ein Wechsel zwischen „Ich fühle mich wohl“ und „ich wünschte, ich wäre wieder zuhause“, was aber total normal ist. Man hat den Eindruck, dass die Zeit rast, weil man so viel Neues erlebt und Unmengen an neuen Eindrücken sammelt. Nur braucht man doch etwas Geduld, um sich wirklich einzuleben. Mit vielen Höhen und Tiefen habe ich mich nach ca. zwei Monaten wirklich angekommen gefühlt. Es gab Tage, an denen ich das Gefühl hatte, völlig dazuzugehören, und andere, an denen ich dachte, außen vor zu sein. Die Schule war dabei die größte Umstellung. Ein typischer Montag beginnt für mich um 9 Uhr und endet um 18 Uhr, woran ich mich erst gewöhnen musste. Auch an den restlichen Wochentagen verbringt man deutlich mehr Zeit im Schulgebäude. Trotzdem sehe ich den Schulalltag nicht nur als eine Belastung. Meine Mitschülerinnen und Mitschüler haben mich direkt von Anfang an freundlich aufgenommen und auch die Lehrkräfte begegnen mir offen und hilfsbereit. Gleich am zweiten Tag ist eine Klassenkameradin zu mir gekommen und hat mich mitgenommen. Sie hat mir die Wege gezeigt und dafür gesorgt, dass ich nicht alleine durch meinen ersten französischen Schultag stolpere. So schnell wurden also aus kurzen Bekanntschaften auch schon Freundschaften. Was jedoch wirklich herausfordernd ist, sind die Leistungsnachweise. Von kleinen Tests bis zu großen Klassenarbeiten (sog. DSTs) ist alles dabei. Das jedoch hängt vor allem mit dem Schulsystem zusammen, denn französische Gymnasien werden in einem Ranking eingestuft, und je höher die Schule bewertet ist, desto höher ist der Leistungsdruck.
Mittlerweile würde ich sogar sagen, dass ich eine zweite Familie hier gefunden habe, auch wenn das vielleicht absurd klingt. Meine Gastfamilie ist wirklich superlieb. Sie sind alle supernett und versuchen, mir das bestmögliche Leben hier in Frankreich zu ermöglichen. Das ist aber nicht immer leicht, denn auch sie haben ihren Alltag und ihre Arbeit, und vor allem ist dieses Engagement für mich absolut nicht selbstverständlich. Genau deswegen bin ich sehr dankbar, so viele Möglichkeiten zu haben, Zeit mit ihnen verbringen zu können. Obwohl noch nicht einmal die Hälfte vergangen ist, war bisher alles dabei. Von mehreren Besuchen der Pariser Innenstadt, sportlichen Wettkämpfen bis hin zu Urlaub am Meer. Meiner Meinung nach ist ein Auslandsjahr bei einer Gastfamilie das Paradebeispiel dafür, dass mit der Zeit alles besser wird. Aussi avec la langue c’est beaucoup mieux qu‘au début! En plus c’est vraiment supercool de parler une autre langue si bien, et cela seulement après quatre mois. Neue Erfahrungen, neue Familie, neue Freunde, neue Abendteuer, neues Leben. All das ist meine Realität und genauso schnell wie ich diese Worte geschrieben habe, wird auch die restliche Zeit hier vergehen – nämlich trop vite!
Lisa Hägler und Nathalie Feldl


