Theatergruppe der Dreiflüsse-Realschule trotzt Corona

Mit Spiel-Platz_2.0 ging das erste bayernweite digitaleSchultheater-Event von 13. bis 17. Juli 2020 über die Bühne. Zu den 28 teilnehmenden Theatergruppen aus allen Schularten gehörte als einzige niederbayerische Realschule die Theatergruppe der Dreiflüsse-Realschule Passau.

 

Gedanken, ob man die diesjährige Schultheateraufführung online stemmen könnte, gab es schon vor der Ausschreibung des digitalen Theaterfestivals „Spiel-Platz_2.0“. Als dann die Theatergruppe der Dreiflüsse-Realschule über die FSR (Fördergemeinschaft für das Schultheater an den Realschulen in Bayern e.V.) von Spiel-Platz_2.0 erfuhr, beschlossen die sechs Schauspieler (Léna Palásti, Kitti Pelikan, Sara Rakic, Arian Idrizi, Pavel Khalid Gaffur, Marcel Weishäupl) mit ihrer Spielleiterin Martina Raab auf der Grundlage von „Heidi“ einen Filmbeitrag zu entwickeln. „Heidi“ nach dem Roman von Johanna Spyri in der Theaterfassung von Markus Steinwender wäre nämlich heuer auf dem Spielplan gestanden. Doch mit Corona kam alles anders…

In zahlreichen Videokonferenzen wurde das Drehbuch für den Beitrag „Heidis Platz“ bei Spiel-Platz_2.0 entwickelt.

Beim Textlernen

Ausgangspunkt des Projekts war die folgende Textpassage aus dem Theaterstück „Heidi“ von Markus Steinwender:

Alles, was ich will, ist ein Platz. -Ein Platz an einem Tisch. Und wenn sich alle an diesen Tisch setzen, dann soll da ein Platz frei bleiben und alle sollen sagen, das ist Heidis Platz“. Bereits bei der Arbeit an „Heidi“ hatten sich die Schauspieler Gedanken gemacht, wo jede Schülerin und jeder Schüler persönlich seinen Platz hat, wo jeder sich zu Hause und wohl fühlt. Die Besonderheit in der diesjährigen Theatergruppe war nämlich, dass von jedem/r Teilnehmer/in mindestens einen Elternteil keine deutschen Wurzeln hat. Deshalb wurde die Aussage im bei Spiel-Platz_2.0 eingereichten Film auch immer erst in einer anderen Sprache und dann auf deutsch gesprochen. Am Ende stellen alle Schauspieler, denen das gemeinsame Theaterspiel fehlt, fest: „Unser Platz ist da, wo wir gemeinsam Theater spielen können!

Probentage im Januar

Als das Konzept stand, filmte jeder seine individuell gestaltete Szene zu Hause mit Hilfe der Eltern und Geschwister. So wurde etwa eine Begrüßungsszene festgehalten, ein Schattenspiel aufgenommen oder es wurden verschiedene Stimmungen durch stilisierte, auf den Fingern aufgemalte Gesichter dargestellt. Die einzelnen Videos schnitt dann die Spielleiterin für Spiel-Platz_2.0 zusammen.

„Mein Platz ist da, wo sich alle auf mich freuen.“

Spiel-Platz_2.0 unter der Schirmherrschaft von Staatssekretärin Anna Stolz war das erste digitale Schultheater-Event in Bayern. Es wurde von der LAG Theater und Film mit ihren Mitgliedsverbänden (TAG, FSR, PAKS, TaBO, DOS) organisiert und durchgeführt, um Schultheatergruppen trotz Corona eine Bühne zu bieten.

Am Montag, 13. Juli hieß es dann „Vorhang auf!“. Via Zoom wurde um 19 Uhr das digitale Theater-Event eröffnet. Nach einer Begrüßung durch das Organisationsteam (Leitung: Ingund Schwarz) stellte sich jede Gruppe kurz vor. Grußworte von Staatssekretärin Anna Stolz und den Vorständen der einzelnen Verbände rundeten die Eröffnungsfeier ab. Jeden Tag standen nun sechs bis acht Gruppenbeiträge im Fokus des Festivals. Tandembesprechungen, in denen die teilnehmenden Schüler die Möglichkeit zum Austausch mit anderen theaterbegeisterten Jugendlichen hatten, reflektierten nicht nur die Videos, sondern nährten auch den Wunsch nach echten und nicht nur virtuellen Begegnungen. Im Abendprogramm erhielten die Spielleiter zahlreiche Impulse, wie digitales Theater aussehen könnte. Die Live Performances mit Studierenden der PH Freiburg und der FAU Nürnberg reizten in beeindruckender und äußerst kreativer Art und Weise aus, wie Live Spiel vor der Kamera aussehen und den Zuschauer einbeziehen kann. In der Online Live-Podiumsdiskussion „Corona – (Schul)-Theater – was nun?“ mit Simone Boles (Theaterlehrerin, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Theater in Schulen, Lübeck), Sabine Köstler-Kilian (Leitung der Fachpraxis Darstellendes Spiel, Uni Nürnberg), Bonn Park (Dramatiker, Regisseur, Berlin) und Amon Ritz (Videodesigner, Kammerspiele München) wurden Grenzen und Möglichkeiten Corona bedingter neuer Spielformen ausgelotet. Ausdrücklich warnte man vor der großen Gefahr der „Kognitivierung“ von Schule, wenn Fächer wie Theater, Musik und Kunst zugunsten von Prüfungsfächern gestrichen werden. Kulturelle Bildung ist unabdingbar für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Derselbe Tenor „hallte“ auch am nächsten Tag beim Treffen der Spielleiter durch die Leitungen. Die Kreativität unserer Schüler kann nur gefördert werden, wenn die musischen Fächer unterrichtet werden. Die virtuellen Produkte werden sicherlich anders aussehen als die analogen, aber das kreative Potenzial von Kindern und Jugendlichen muss einen „Spielplatz“ bekommen. Und dass kulturelle Bildung den Schülern selbst wichtig ist, haben die 28 teilnehmenden Gruppen eindrucksvoll bewiesen. Neben dem herausfordernden Lernen zuhause oder dem neu organisierten Präsenzunterricht haben sie mit großem Einsatz viele kreative Ideen entwickelt und umgesetzt. Diese haben Spiel-Platz_2.0 mit Leben gefüllt. Dieses Engagement hob schließlich auch Frau MRin Birgit Huber vom Kultusministerium im Festakt am Freitagnachmittag besonders hervor. Sie wünschte allen Teilnehmern, dass sie die Freude am Theaterspielen nie verlieren mögen. Diese aufmunternden Worte beendeten das digitale Theaterfestival.

 

Und das Fazit der Schüler? Schön, dass wir dabei waren! Und wann können wir wieder auf die richtige Bühne?

Martina Raab, Bilder: Screenshots aus dem Beitrag der Dreiflüsse-Realschule

 

 

 

 

 

 

 

 

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